Unbekannte Rebsorte? Folgen Sie Ihrem Geschmack

Am Weinregal stehen sechs Namen, die Ihnen nichts sagen. Sie möchten etwas Neues probieren, aber keinen Fehlkauf zur Mutprobe erklären. Wir zeigen, wie Sie eine erste Auswahl treffen und beim Probieren herausfinden, was Ihnen wirklich gefällt.
1. Am Regal beginnt die Wahl nicht mit dem Namen
Ein unbekannter Sortenname verrät noch nicht, ob Ihnen der Wein gefällt. Sie müssen ihn auch nicht wie einen Geheimcode lesen. Fragen Sie stattdessen: Möchte ich heute zitrusartige Frische, einen duftigen Weißwein, saftige rote Beeren oder ein spürbar raues Mundgefühl? Das sind vier vertraute Richtungen, mit denen sich sechs sehr unterschiedliche Rebsorten vergleichen lassen. Neue Namen sind dabei kein Qualitätsbeweis; sie geben Ihnen lediglich etwas Neues zu entdecken. Wer Zitrus mag, kann mit einer trocken, also nicht süß schmeckenden Merseguera aus Valencia beginnen, deren Beschreibung reife Zitrone und Blutorange nennt. Beginnen Sie den Vergleich mit Baldovar 923 - Cañada París und notieren Sie, ob Sie diese Zitrusrichtung beim nächsten Wein wiederfinden möchten.
Eine hilfreiche Frage im Laden lautet deshalb nicht unbedingt „Was ist Ihre beste Flasche?“, sondern „Ich mag Zitrus, möchte aber etwas Neues ausprobieren – welche dieser Flaschen geht in diese Richtung?“ Damit geben Sie der Beratung einen Anhaltspunkt. Sie brauchen weder die korrekte Aussprache jeder Sorte noch eine Liste berühmter Regionen, um eine konkrete Vorliebe zu beschreiben.
Merseguera Amphore · Alto Turia
▸ Zitrone. Orange. Meersalz.▸ Unaufdringlich seriös.▸ 900 m Reben. UNESCO-Hänge. Trauben von 20- bis 60-jährigen Rebstöcken auf fast 1.000 m liefern viel Frische. Direkt aus...
2. Drei Wörter reichen für den Anfang
Drei Begriffe machen den ersten Schluck aufschlussreicher. Trocken bedeutet hier: Der Wein schmeckt nicht süß. Körper beschreibt, wie leicht oder kräftig er sich im Mund anfühlt. Tannin ist ein Gerbstoff, der ein raues, den Mund zusammenziehendes Gefühl verursachen kann – denken Sie an kräftigen schwarzen Tee. Diese Rauheit ist etwas anderes als fehlende Süße.
Beobachten Sie auch den Duft getrennt davon: Ein Wein kann nach Pfirsich riechen und trotzdem trocken schmecken. Sie müssen die Eindrücke nicht auf einer Punkteskala bewerten. Ein Satz wie „Ich mag den Duft, aber die raue Stelle im Mund weniger“ ist für Ihre nächste Bestellung bereits nützlicher als ein weiterer auswendig gelernter Name.
Auch ein Wein aus hellen Trauben kann deutliches Tannin zeigen. Bei einem Maischewein lässt der Winzer den Saft mit den Traubenschalen vergären; dabei können Gerbstoffe aus den Schalen in den Wein übergehen. Die helle Traubenfarbe ist deshalb kein Versprechen für ein glattes Mundgefühl.
Probieren Sie bewusst: Fühlen sich Zahnfleisch und Wangeninnenseiten nach dem Schluck rau an, ähnlich wie nach schwarzem Tee? Kobal Wines - Roots Furmint macht diesen Vergleich konkret: Nach etwa 15 Tagen Schalenkontakt zeigt die Flasche ein teeartiges Tannin. Furmint heißt in Slowenien auch Šipon. Das sind zwei Namen für dieselbe Sorte, aber kein Grund, bei jedem Furmint denselben Ausbau zu erwarten.
Wer die fruchtigen Aromen mag, das raue Gefühl aber nicht, hat schon eine sehr brauchbare Frage für die nächste Beratung: Gibt es einen Wein in dieser Richtung mit weniger Tannin?
Furmint Maischevergoren · Haloze
▸ 35 Jahre Reben. Mergelterrassen.▸ Quitte. Melone. Akazie.▸ Leise ernsthaft mazeriert. Wenn am Tisch die Frage nach dem Ungewöhnlichen kommt, liefert ein mazerierter Furmint aus...

3. Bei Weißwein: Frische oder Duft?
Bei Weißwein können Sie zunächst zwischen zwei Duftvorlieben vergleichen: eher Zitrone und Zeste oder eher Pfirsich und Blüten. Das sind Suchrichtungen, keine festen Schubladen für Rebsorten. Eine Flasche kann mehrere davon verbinden. Garganega ist der neue Name hinter Cavazzawine - Creari aus Venetien. Pfirsich und Safran gehören hier zum Duft; trocken bleibt der Geschmack trotzdem. Genau darin liegt der nützliche Vergleich mit der Merseguera: Gefällt Ihnen der Zitruston besser oder reizt Sie die wärmere Frucht?
Für eine weitere duftige Richtung kommt Zibibbo hinzu. Die ausgewählte trockene Flasche verbindet Grapefruit, Minze und Jasmin. Prüfen Sie beim Probieren deshalb zwei Fragen nacheinander: Mag ich, was ich rieche? Und mag ich, wie der Wein im Mund schmeckt und sich anfühlt? Ein intensiver Blütenduft beantwortet die zweite Frage noch nicht. Riechen Sie an Cavazzawine - Creari und prüfen Sie danach mit einem Schluck, ob Ihre Erwartung an Süße tatsächlich zum trockenen Geschmack passt.
Beschreiben Sie das Ergebnis ruhig mit Ihren eigenen Worten. „Riecht für mich nach Obst, schmeckt aber nicht süß“ genügt völlig. Wenn Ihr Gegenüber etwas anderes riecht, müssen Sie keine gemeinsame Musterlösung finden. Für Ihre nächste Auswahl zählt vor allem, ob Ihnen diese Kombination aus Duft und Geschmack Freude macht oder ob Sie lieber eine andere Richtung ausprobieren möchten.
Garganega Einzellage · Venetien
▸ Quitte. Meersalz. Stein.▸ 2-ha Kalkinsel-Reben bei Gambellara.▸ Gemacht für Kräuter-Wolfsbarsch. Garganega von einer Südwestlage auf 240 m wächst hier auf einer seltenen Kalkinsel und...
Zibibbo Vulkanisch · Terre Siciliane
▸ Grapefruit. Minze. Blüte.▸ Pionier des trockenen Zibibbo.▸ Sonnenkraft trifft Meeresbrise Anfang September geerntet, stammen die Trauben aus belüfteten Trapani-Lagen auf 0–400 m Höhe. Vier...

4. Bei Rotwein: rote Frucht oder spürbares Tannin?
Bei Rotwein lohnt sich ein anderer Vergleich: saftige rote Frucht oder stärker wahrnehmbare Gerbstoffe. Unsere beiden ausgewählten Flaschen liefern dafür Frappato und Freisa. Beim Frappato aus Sizilien stehen wilde Erdbeere, Himbeere und florale Noten im Vordergrund. Die Freisa aus dem Piemont verbindet reife Himbeere mit Lakritz, Vanille und einem trockenen, kreidigen Tanningefühl. Das beschreibt diese beiden Weine, nicht jede Flasche ihrer Sorte.
Riechen Sie zunächst an beiden und achten Sie dann auf den Unterschied am Gaumen. Sind es die Beeren, die Ihnen gefallen, oder gerade das rauere Gefühl nach dem Schluck? Vielleicht bevorzugen Sie auch den Duft des einen und das Mundgefühl des anderen. Das ist eine brauchbare Beobachtung und kein Widerspruch. Die dunklere Farbe allein kann diese Entscheidung nicht für Sie treffen. Ebenso wenig müssen Sie die Rebsorten verwandt finden oder ihre Geschichte kennen, um einen Unterschied zu benennen.
Wenn Ihnen beide gefallen, müssen Sie keinen Gesamtsieger küren. Notieren Sie lieber, welches Detail Sie wiederfinden möchten: den Beerenduft, das rauere Gefühl oder die Kombination daraus. Ein Wein, den Sie heute interessant finden, muss nicht Ihre neue Standardbestellung werden. Sie können ihn für eine bestimmte Stimmung oder eine gemeinsame Verkostung vormerken. Ebenso dürfen Sie eine Sorte nach einer Flasche vorerst beiseitelegen, ohne zu behaupten, dass alle ihre Weine so schmecken. Fragen Sie bei einer späteren Gelegenheit nach einem anders ausgebauten Beispiel und vergleichen Sie Ihre Notizen. Das Ziel ist keine immer längere Liste exotischer Namen, sondern eine immer verständlichere Beschreibung dessen, was Sie im Moment gern trinken möchten.
Frappato Einzellage · Sizilien
▸ Erdbeere. Veilchen. Salz.▸ 2,4-Hektar-Parzelle am See.▸ Beeren vs Salz Bei 12–14 °C gleitet der Wein mühelos: tonreicher Boden auf nur 20 m Höhe liefert...
Freisa Superiore · Asti
▸ Rose. Himbeere. Lakritz.▸ Still ernst, Kreide-Tannin▸ Weiße Kreidehügel. UNESCO-Zone. Freisa ist der ältere Cousin des Nebbiolo; drei Wochen Schalenkontakt und zwölf Monate Holz bringen...
5. Vergleichen statt Namen lernen
Sechs Flaschen sind keine Prüfung, die an einem Abend bestanden werden muss. Verteilen Sie den Vergleich auf mehrere Gelegenheiten und schenken Sie zum Kennenlernen kleine Mengen ein. Beginnen Sie mit zwei Weinen: etwa Merseguera und Garganega für unterschiedliche Fruchteindrücke. Bei einer anderen Gelegenheit kann Zibibbo neben Furmint stehen, um Duft und raues Mundgefühl bewusst auseinanderzuhalten; Frappato und Freisa bilden das rote Paar. Diese Reihenfolge ist ein Vorschlag, keine Rangliste. Notieren Sie jeweils nur, was Ihnen besser gefällt und warum. Wenn Ihnen der Begriff „Körper“ noch nichts sagt, schreiben Sie einfach „leichter“ oder „kräftiger im Mund“. Sie müssen keine Jasminblüte finden, nur weil sie in einer Beschreibung steht. Am Ende hilft eine persönliche Beobachtung beim nächsten Kauf mehr als sechs neue Namen ohne Erinnerung an den Geschmack. Die Auswahl erklärt außerdem nicht die ganze Sorte: Sie lernen zuerst die konkrete Flasche kennen.
Für einen unkomplizierten Vergleich am Tisch schlagen wir drei einfache Begleiter vor: ein Ofenblech mit Gemüse, Pasta mit Tomaten oder Brot mit mildem Käse. Das sind Vorschläge zum Ausprobieren, keine Behauptung, dass ein bestimmter Wein zu jedem dieser Gerichte passen muss.
Probieren Sie zunächst einen kleinen Schluck ohne Essen und danach mit einem Bissen. Hat sich Ihr Eindruck verändert? Was würden Sie beim nächsten Mal wieder zusammen servieren? Auch „ohne Essen hat mir der Wein besser gefallen“ ist eine nützliche Antwort.
Halten Sie die Aufgabe klein: Ein Paar Weine und ein Gericht reichen, um etwas zu bemerken. Sie müssen nicht gleichzeitig alle sechs Sorten, drei Speisen und jedes Aroma vergleichen. Wer sich beim nächsten Kauf an einen gelungenen Vergleich erinnert, kann gezielter nachfragen, statt wieder nur zum vertrauten Etikett zu greifen.
6. Der nächste Schluck ist der entscheidende
Unser Urteil: Sie brauchen kein Sortenlexikon, um neugierig zu bestellen. Hilfreich ist eine Auswahl, deren Unterschiede Sie selbst beschreiben können. Merseguera, Garganega, Furmint, Zibibbo, Frappato und Freisa liefern hier sechs neue Namen für einen solchen Vergleich. Unsere Auswahl für ein Probierpaket haben wir aus genau diesen sechs Weinen zusammengestellt. Probieren Sie, vergleichen Sie über mehrere Gelegenheiten und finden Sie Ihre eigenen Favoriten.
Neue Namen, vertrauter Geschmack
Sechs verschiedene Rebsorten zum Kennenlernen: Merseguera, Garganega, Furmint, Zibibbo, Frappato und Freisa. Je eine Flasche. Vergleichen Sie Duft und Mundgefühl über mehrere Gelegenheiten.